La gita a Chiasso

Trent'anni di sconfinamenti culturali tra Svizzera e Italia (1935-1965)

Lettera di Martha Amrein a Berta Noll (9 maggio 1944)

Mein Bertelein!

Dein Brief kam <heute früh>. Es scheint wirklich alles Verlorene wiederzukehren. Auch ich wusste es ja, dass es einmal sein würde.

Dankbar atme ich auf, da ich höre, dass Ihr den Berg noch habt, d. h. dass Ihr ihn noch hattet, als es nötig war. Schon lange war ich bange darum, zu wissen, wo Du bist.

Wenn ich sagen würde, dass das Leben in diesen Jahren in so unerhörten mass meine aktiven Kräfte in Beschlag genommen hat, so wird das bei Dir, besonders auch im Verhältnis zur verfügbaren Kraft, auch so gewesen sein. Und doch, wenn Du dann erfährst, was mir alles noch zufiel und aufgeladen wurde, wirst Du mir glauben, dass meine Musse fast nur noch Ausruhsehnsucht sein konnte. Oft reichte sie nicht einmal aus, um zur Besinnung zu kommen.

Doch es ist gut, ach alles ist gut, so gut. Und heute ist ein besonders schöner stiller Tag, der erste eigentliche Ruhetag seit Wochen, ja Monaten, und ich verbringe ihn ganz mit Dir.

So schön ist es hier bei mir, ach wenn Du es sehen könntest. Nichts als See und blauer Himmel und rauschende Birken und Tannen rings um meine Fenster. Und ganz stille, so dass man die Zeit vergisst.

Und ich schreibe Dir wieder wie ehemals, als mir dies Schreiben und Dein wie versagender Wiederhall oft einziger Trost und oft letzte Rettung vor dem Versinken war. Nein, nichts kann je verloren gehen von diesem zwischen uns.

Doch dass es mir wiedergegeben ist, ich kann es doch noch fast nicht fassen.

Ach, das Heilende, das Wichtige, es ist noch nicht gesagt. Doch denk, ein konkretes, sichtbar und greifbares und doch geistiges Werk durfte ich schaffen in diesen Jahren. Doch unmöglich, das alles zu erzählen.

Die Mutter ist in den Tagen des Kriegsausbruchs gestorben. Hans führte sein stürmisches Schicksal für vier Jahre in eine der früheren ähnliche Situation, doch weit fort und viel bedrohter. Vor kurzem kam er zurück. Sylvia hat noch ein Brüderchen Rico bekommen!

Leb wohl, liebstes, für heute. Ich schreibe Dir bald ausführlich und erzähle Dir mehr von dem, was Du wissen musst. Doch auch ich möchte vieles von Dir erfahren, vor allem auch, wie es Gustav geht, und grüsse ihn sehr.


Tipo di documento: manoscritto
Autore: Martha Amrein
Destinatario: Berta Noll
Lingua di pubblicazione: tedesco
Luogo / paese di pubblicazione / produzione: Zurigo
Datazione: 9 maggio 1944

Pagine: 2 pagine
Archivio: Fondo privato Martha Amrein (Zurigo)
Tipo di supporto: cartaceo

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